#MeinZiel22: Storytelling In Podcasts – Wie macht Ihr das?

Der Podcast ist beim Audio BarCamp 2022 entstanden und liegt im Original bei Copedia unter der Lizenz CC BY

Auf meiner Storytelling-Lernreise im Rahmen des CLC-Projektes MeinZiel22, habe ich die Gelegenheit genutzt, eine Session “Storytelling In Podcasts – Wie macht Ihr das?” beim AudioBC22 anzubieten. 28 Experten waren dabei und haben Erfahrungen mit der Gestaltung ihrer Podcasts geteilt. Das Ergebnis: Alle versuchen, ihre Podcasts spannend zu gestalten. Nur von bewusst gestalteten Stories haben lediglich zwei berichtet.

So langsam festigt sich meine Erkenntnis, dass gutes Storytelling wirklich aufwändig ist und viel Zeit und Können braucht. Meine Idee, künftig Botschaften überwiegend in Stories zu verpacken, erscheint nicht mehr sehr realistisch. Das ist wohl auch der Grund, weshalb Podcaster die Storytelling-Idee zwar gut finden, aber selbst lieber mit einfacheren Mitteln für Spannung sorgen.

Storytelling vereint für mich drei Haupt-Aspekte:

  • Geschichten stellen Sachverhalte einprägsam dar
  • Geschichten lösen eigene Geschichten im Kopf aus
  • Geschichten berühren emotional

Nimmt man die Aspekte mal einzeln, dann ist das einprägsame Darstellen ohnehin das Ziel aller, die berichten wollen, die Wissen vermitteln wollen, Das können wir Learning Professionals ja schon mehr oder weniger gut. Und das Erinnern an Bekanntes ist uns auch nicht fremd. Nur die emotionale Berührung scheint irgendwie so gar nicht unsere Sache.

Podcaster wollen Spannung erzeugen

Der Schritt vom “Neugierig-Sein” zum “Betroffen-Sein”, zum “Mitfühlen” scheint nicht so groß. Und “Neugierig-Machen”, das ist ja nicht ganz so schwer. Jedenfalls berichten Podcaster von ihrem Vorgehen, Menschen neugierig zu machen, um damit eine Spannung zu erzeugen, um die Hörer möglichst bis zum Ende zu behalten. Hier ein paar Aussagen aus der Session.

Andreas schneidet ein Zitat an den Anfang (06:57 Min):

Also ich mache hauptsächlich so Interview Podcasts. Und da kommt es immer drauf an, wie sich das Gespräch so entwickelt. Klar, man hat immer so eine grobe Agenda, damit man irgendwie auch stringent erzählen kann, und damit man meistens chronologisch durchgeht.

Und das Höchste, was ich an Storytelling-Mittel mache ist, dass ich ein Zitat rausnehme, und das am Anfang in die Einführung schneide. Um ein bisschen Lust oder – einen Cliffhanger sozusagen – dass man weiß, wo geht es denn hin.

Thomas steuert mit vorher recherchierten und wiederkehrenden Fragen (08:38)

Was ich versuche, in meiner Vorbereitung sind natürlich ein paar Fragen, die ich mir überlege – auch mit Recherche – so ein bisschen als eine Geschichte zu erzählen. Das fängt an mit einer Vorstellung, mit speziellen Fragen auch immer nach Sachen, die vielleicht nicht so gut gehen, nach konkreten Tipps. (Education News Cast)

Anina erzeugt Spannung durch einen mitgebrachten Gegenstand (13:54 Min)

Ich habe mir überlegt, was könnte eigentlich den Spannungsbogen so ein bisschen unterbrechen. Mit sowas wie: Was passiert denn jetzt? Da muss ich doch mal hinhören?

So etwas hab ich jetzt eingebaut. Unsere Gäste bringen immer ein Gadget mit. Der Podcast heißt „Zeit & Geist“ und es geht darum, dass sie etwas mitbringen, das für sie den Zeitgeist symbolisiert. Und das funktioniert eigentlich ganz gut. Also in der letzten Zeit, war es recht lustig, was die Leute so mitgebracht haben. Am Anfang waren es meistens die Handys….Jetzt weisen wir darauf hin, dass das wirklich egal was sein kann. Das macht sich ganz gut, weil man kommt ein bisschen aus der Thematik raus, man geht ins Persönliche, man hat wieder andere Bilder im Kopf.

Die Leute beschreiben das – weil man es ja nicht sieht – und so entsteht ein bisschen Kino im Kopf. Ich finde, das ist eine eigentlich ganz gute Variante. Das durch eine quasi Unterbrechung vom normalen Gesprächslauf, ein bisschen Spannung zu erfahren.

Ingo empfiehlt mit einem Geräusch zu starten (19:00 Min)

Alina zu deiner Idee, die ich sehr schön finde, dass die Gäste tatsächlich was mitbringen. Wenn man das jetzt etwas ritualisierter nutzen möchte um Spannung zu erzeugen, dann kommt mir noch die Idee, … am Anfang den Gast zum Beispiel zu bitten, dass der Gegenstand, den er mitgebracht hat, mal nur als Geräusch vorgestellt wird. Also, es gibt irgendein Geräusch was dieser Gegenstand macht. Es wird aber noch nicht erklärt, was der Gegenstand ist.

Lena spricht den Teaser immer gleich nach der Aufnahme (25:09 Min)

Im Anschluss ans Recording direkt den Teaser sprechen. Das finde ich auch immer ganz besonders, wenn man dann einfach hinterher, wenn es gelaufen ist, sagt: Boah, ich komme gerade aus dem Gespräch. Das ist völlig anders gelaufen. Ich bin noch ganz berührt das hört ihr auch. Das hat was mit mir gemacht. Am meisten hat mich das hier überrascht.
Das finde ich viel kreativer und das wollte ich noch ergänzen.

Christoph sieht sich als Stellvertreter für die Zuhörer und erfragt die Story dahinter (29:52 Min)

Ich wollte nochmal kurz auf etwas eingehen, was eine Vorrednerin gesagt hatte, nämlich dass man sich nicht unbedingt selber zu sehr so in den Vordergrund stellen muss, wenn es gerade um Wissen geht. Und ich seh mich auch gerade bei einem Podcast, … genau in der Rolle, dass ich so eine Art Stellvertreter bin. für Softwareentwickler mit verschiedenem Wissensstand. Deshalb versuche ich das Gespräch auch so zu führen, dass wir versuchen, das auch ein bisschen mit Storytelling zu verbinden und nicht nur über Technologie zu berichten, ganz sachlich, sondern auch die Geschichten hinter der Technologie zu erzählen.

Also warum sind bestimmte Sachen so wie sie sind? Warum wurden Entscheidungen getroffen? Warum wurde irgendeine Richtung eingeschlagen? Und: Was sind vielleicht auch mal ganz witzige Sachen.

Alexander meint, Teilnehmer müssten durch den Podcast selbst vorgestellt werden (33:17 Min)

Also wenn ich ein Interviewpartner vorstellen muss, ist er für mich schon gestorben. Also ich will eine Story von diesem Interview-Partner. Und vielleicht teasere ich die ganz kurz an. Alles andere kann man googeln und dann gucken, wer derjenige ist. Der muss natürlich zu mir passen. Und die Leute müssen mir vertrauen, dass ich die Richtigen auswählen und die richtig geile Story raus hole. Und dann hebe ich ihn auch auf dieses akustische Podest.

Alexander warnt vor akustischem Müll (34:53 Min)

Wir knallen uns ein akustisches, ein Audio Universum voll mit akustischen Müll, teilweise. Bloß um irgendwie an Reichweiten, Download und Streams zu kommen, um die dann irgendwie … zu verkaufen. Das ist Bullshit. Es wäre so schön, wenn man sich eine Story nimmt und die teilt. Und die besteht dann vielleicht aus zwei, drei Interview-Parts, aus O-Tönen, aus Vox Pops.

Geht raus, interviewt einfach mal zwei, drei O Töne von eurer Familie, wenn die zu dem Thema was sagen wollen. Und montiert das dann zusammen.

Das wäre auch so ein bisschen Appell, dass man sich für jede Geschichte etwas mehr Zeit nimmt und die erzählt. Und da ist Ingo Stoll das beste Beispiel dafür: Audiografie ist dann so Next Level, das Storytelling von Personen. Und das macht richtig Spaß, sich reinzulegen und reinzuhören.

Simon verweist auf Atmo und Zeit, die es spannend machen können(39:13)

Die eine ist – mir fällt da immer der Daily Podcast von der New York Times ein. Weil die das schaffen irgendwie. Die Zeitung ist ja eher so tagesaktuell und sachlich – und die picken sich jeden Tag ein Thema, behandeln das in 20 – 25 Minuten sehr tief. Lassen da jemand eine Geschichte erzählen, und arbeiten sehr viel mit Atmo, also mit Atmosphären-Sounds. Und das finde ich, macht die Story total lebendig.

Und der zweite Punkt den ich noch mit einbringen wollte, ist einfach Zeit. Ich hatte vorhin im Chat schon mal diesen Podcast „Alles gesagt“ reingegeben. Und da war die letzte Episode – die fand ich genial – mit Kevin Kühnert. Und die hat halt über 7 Stunden gedauert. Man hat aber diese ganze Geschichte von Kevin Kühnert – und wie hat sich das entwickelt, und wie sieht er Sachen heute – mitbekommen. Und ich glaub, da haben viele Leute Angst davor, sowohl extern, da muss eine Vorstellung in 2 Minuten durch sein. Aber auch intern, wenn meinetwegen ein Vorstand neu ist oder so. Warum muss ich das in 15 Minuten machen, warum kann ich dem nicht auch Stunden Zeit geben um kennenzulernen, wer ist der neue Vorstand? Also Atmo und Zeit würde ich gerne  einbringen.

Ingo empfiehlt die Konzentration auf das Warum (41:55Min)

Was sind die Fragen, die hier im Raum stehen? Was sind die wirklich interessanten Dinge, die auch was mit den Hörern zu tun haben? Und dann könnt ihr von dort die Story aufziehen.

Und das gibt euch auch Möglichkeiten zu variieren. Letzter kleiner anmerkender Tipp: Ihr wisst beim Krimi zum Beispiel, ist der Klassiker, dass man den Mord sieht und nicht weiß, wer ist der Mörder. Es geht aber genauso auch, dass man mit dem Mord anfängt und klar ist, wer der Mörder ist. Was nicht klar ist, ist die Frage des Motivs und da glaube ich, liegt noch ganz viel Möglichkeit, spannende Gesprächsverläufe zu entwickeln.

Indem zum Beispiel am Anfang schon klar ist, dass jemand etwas tut, oder was die große Innovation ist. Aber die wirklich spannende Frage ist, das “Warum”. Und was steht dahinter? Und was hat das mit der Person zu tun? Ich glaube, aus diesem Feld ist noch so viel Potential zu ziehen, weil das im Moment maximal 5% der Interview-Podcast überhaupt nutzen. Hier könnt ihr auch experimentieren, weil es gibt da kein Richtig und kein Falsch.

Mein Fazit aus der Session

Es scheint ein guter Weg in Richtung Storytelling zu sein, in Podcasts spannende Elemente bewusst einzubauen, und damit Erfahrung zu sammeln. Was interessant und spannend ist, entscheiden aber nur die Hörer. Deren Welt muss ich kennen, deren Sprache muss ich sprechen, wenn ich für andere produzieren will.

Die akustische Atmosphäre von Originalschauplätzen läßt sich gut als Kontext-Beschreibung nutzen. Original-Geräusche lösen bei denen, die das kennen, Bilder im Kopf aus. O-Töne von relevanten Personen erzeugen Glaubwürdigkeit und zeigen möglicherweise verschiedene Perspektiven.

Danke für die vielen Tipps an die Teilgebenden in der Session!


Teilen meiner Erkenntnisse

Im Rahmen des CLC-Projekts #MeinZiel22 will ich regelmäßig Erkenntnisse meiner Lernreise in Richtung “Storytelling” in einzelnen Blogposts teilen. Vielleicht gelingt es am Ende diese Blogposts zu einer Geschichte zu verbinden. Alle meine Beiträge stehen unter der CC BY-Lizenz. Die können von jedem – auch in Teilen – verwendet werden, wenn der Name “KhPape” genannt wird.

Gleichzeitig will ich wissen, ob es gelingt, dafür hauptsächlich Podcasts als Quelle für mein Lernen zu verwenden.
Überblick zu allen Stationen meiner bisherigen Lernreise.

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