Wieviel Strom braucht das Internet?

Unser nächstes Corporate Learning Camp, das CLC21 soll seine Umweltverträglichkeit zeigen. Hauptsächlich online, aber mit einigen regionalen Treffpunkten – also ein wenig hybrid soll es ablaufen. Für physische Veranstaltungen gibt es Werte für den erzeugten Co²-Fußabdruck. Zum Beispiel machen die An- und Abreisen wohl etwa 70% aus, und die Übernachtungen noch zusätzlich etwa 15%.

Wenn die Veranstaltung aber online läuft, dann wird es deutlich schwerer, den Co²-Fußabdruck zu bestimmen. Schließlich wissen wir ja nicht, über welche Server unsere Daten laufen und was die für eine Umweltbilanz aufweisen.

Über die Frage des Inernet-Stromverbrauchs haben sich zwei Professoren aus der Hochschule Augsburg und der Hochschule Emden-Leer in einem hörenswerten Podcast unterhalten. Rolf Winter, der die Haupt-Recherche-Arbeit dazu geleistet hat, bespricht seine Erkenntnisse mit Dirk Kutscher. Im Ergebnis kommen sie zwar nicht auf ganz konkrete Stromverbrauchsdaten, aber auf Größenordnungen mit denen man ganz grob rechnen kann. Und das liegt u.a. daran, dass es keine einheitlichen Regeln fürs Berechnen der verbrauchten Energie in Rechenzentren oder bei den Internet Service Providern gibt. Dazu kommt noch, dass man kaum den Internet-Stromverbrauch nur in Deutschland rechnen kann, weil insbesondere die Cloud-Server meistens gar nicht in Deutschland stehen. Zudem ist auch zu entscheiden, was denn alles zum Internet gerechnet wird: Wenn Netflix schauen sicher dem Internet zugerechnet werden kann, wie steht es dann mit dem Fernsehen oder Radio hören über den Kabelanschluss? Und ob man die Umweltwirkungen von Produktion und Entsorgung der fürs Internet notwendigen technischen Geräte mit einberechnet, ist auch ungeklärt.

Menschliches Energie-Äquivalent

Um den Energiebedarf des Internets ein wenig vorstellbar zu machen, hat Rolf Winter einfach mal den biologischen Energieverbrauch eines Menschen als Vergleichsgröße dargestellt:

  • Ein Mensch braucht täglich im Durschschnitt 2400 kcal pro Tag, die er über die Nahrung aufnimmt
  • Das entspricht umgerechnet 2,8 kWh Energie täglich, um leben zu können.
  • In einem Jahr sind das rund 1 MWh Energie, die ein Mensch zum Leben braucht.
  • Interessant ist auch, das Menschen etwa 80 W Leistung über einen längeren Zeitraum abgeben können (beim Radfahren z.B.), Spitzensportler kurzzeitig bis zu 1000 W.

2% des Stromverbrauchs fürs Internet

In Deutschland verbrauchten wir in 2019 insgesamt 579,8 TWh an Strom. International geht man davon aus, dass Die Rechenzentren (z.B. für die Cloud) etwa 1% und die Internet Service Provider noch einmal 1% des weltweiten Stromverbrauchs ausmachen. Auf Deutschland umgerechnet machen diese 2% etwa 12 TWh fürs Intenet im Jahr aus. Darin sind aber noch keine Endgeräte in Firmen oder Haushalten eingerechnet, die für den Internet-Betrieb notwendigerweise ja eingeschaltet sein müssen. Da alle Haushalte zusammen etwa 17% des Stromverbrauchs für Unterhaltung und Kommunikation aufwenden, ist anzunehmen, dass das im Vergleich zu den Netz- und Server-Stromverbräuchen der wesentlich größere Teil sein wird.

Noch eine Zahl haben die beiden genannt: Telefonica hat den Stromverbrauch für ihren Netzbetrieb aufgeschlüsselt: 84% gehen für die Mobilfunkstationen drauf, und nur 2% für ihre Daten-Center. Die kabelgebundene Übertragung braucht deutlich weniger Strom als der Mobilfunk!

Fazit

Gemeinsames Fazit der Beiden: Viele Alarmismus-Meldungen sind falsch. Im Verhältnis zum sonstigen Strombedarf ist das Internet kein besorgniserregender Stromfresser. Zumal die Internet-Dienstleister sich immer mehr bemühen, nur noch Grün-Strom einzukaufen, und gleichzeitig den Stromverbrauch je Byte oder je Kunde stetig zu verringern. Aber unsere Endgeräte treiben den Internet-Stromverbrauch deutlich nach oben. Dennoch können wir ganz beruhigt davon ausgehen, das seine Online-Konferenz sehr sehr viel weniger CO² freisetzt, als jede Präsenzveranstaltung!

Weitere Zahlen mit vielen interpretierenden Gedanken zum empfehlenswerten Nachhören gibt es hier im Podcast “Neulich im Netz”. Unten gehts zur Video-Version. In den Shownotes sind die vielen Quellen verlinkt.

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