Online-Musikunterricht – Tonqualität und Datenschutz

Online-Musikunterricht stellt wohl die höchsten Anforderungen an die Tonqualität. Aber auch wer häufig in Online-Besprechungen sitzt, weiß wie anstrengend es wird, wenn Sprecher nur schwer verstanden werden. Oft wünscht man sich auch dort eine angenehmere, natürlich anmutende Audio-Verbindung. Und ganz besonders für den Online-Unterricht sind Datenschutz-unbedenkliche Systeme nötig.

Alle klassischen Video-Konferenz-Systeme sind ausgelegt für eine möglichst störungsfreie Sprach-Übertragung. Algorithmen prüfen im Hintergrund, ob sie Echos oder Fremdgeräusche ausgeblenden müssen. (Ein einfacher Test bei ZOOM mit den Werkseinstellungen: Klatsche einen Rhythmus, und Deine Hörer hören nur ein oder zwei Schläge. Lang ausgehaltene Töne brechen kurz nach Beginn ab.) Damit hört sich Sprache je nach Meeting-System auch immer ein wenig verändert an.

Beim Online-Musik-Unterricht kommt es natürlich auf Klang-Feinheiten an, die übliche Sprach-Meeting-Systeme nicht übertragen. Deshalb die Suche nach Video-Systemen, die insbeondere für den Musikunterricht gut nutzbar sind. Aber auch für Podcast-Aufnahmen ist ja gute Ton-Qualität ein entscheidender Vorteil.

Jitsi

Das Open Source-Produkt Jitsi bietet hier einen deutlichen Vorteil bei der Audio-Übertragung. Jitsi nutzt den Opus-Codec für den Audio-Kanal, und bietet damit eine hohe Übertragungsqualität. Die wird dann eher durch Mikrofone und Lautsprecher begrenzt, als durch die Internet-Übertragung. Damit scheint Jitsi gut geeignet, insbesondere für den Online-Musikunterricht.

Jitsi ist aber nur eine Software, die jeder nutzen darf. Für Verbindungen benötigt man einen Jitsi-Server. Da gibt es eine ganze Reihe von Organisationen, die auch einen öffentlichen Zugang kostenlos anbieten. Und es gibt Unternehmen, die Jitsi hosten, mit weiteren Tools anreichern, und das als Service anbieten.

Hier zwei Beispiele:

Whereby

Whereby: Gute Tonübertragung, gutes Bild, sehr einfache Handhabung. Scheint auch eine Jitsi-Basis zu haben. 
Man bekommt einen “Raum” (Link) dauerhaft zugewiesen. Den Raum kann man verschlossen halten, oder offen lassen, für jeden der den Link kennt.
Es gibt Whereby-Apps für Android und für IOS.

Als Host meldet man sich nur mit der eigenen Email-Adresse an und bekommt bei jedem Start einen sechsstelligen Code per Email als Passwort zugesandt. Alle anderen nehmen ohne Installation über ihren Internet-Browser mit einem zuzusendenden Link teil.
Screen-Sharing, Chat, Recording (nur lokal) möglich.

Datenschutz: Innerhalb Eurpoas über europäische Rechenzentren. Mehr: https://whereby.com/information/tos/privacy-policy/

Zwei Tarife:

  • Frei:
    Mit dem kostenlosen Tarif können Sie sich mit Ihrer E-Mail-Adresse für ein Konto registrieren und einen Raum für Ihren privaten Gebrauch erstellen. Dies gibt Ihnen bis zu 4 Teilnehmer in Ihrem Zimmer und unbegrenzte Bildschirmfreigabe! Der kostenlose Plan ermöglicht es dem Raumbesitzer auch, seinen Raum zu sperren, wodurch verhindert wird, dass andere Benutzer beitreten, ohne dass der Besitzer sie hereinlässt. Benötigen Sie Platz für mehr als 4 Teilnehmer oder mehr Funktionen wie Anpassung und Aufzeichnung? Schauen Sie sich unsere Pro-Funktionen unten an.
  • Profi:
    Der Pro-Plan ist sowohl für den persönlichen als auch für den geschäftlichen Gebrauch für bis zu 12 Teilnehmer in einem Besprechungsraum konzipiert. Es erweitert die Funktionen, die in der kostenlosen Version von Whereby angeboten werden, und fügt zusätzlich zum kostenlosen Plan viele nützliche Funktionen hinzu. Pro-Benutzer können ihren Raum anpassen, um ihre eigenen Markenbilder wie ein Logo und einen Hintergrund hinzuzufügen. Pro-Benutzer erhalten auch Zugriff auf andere großartige Funktionen für die Zusammenarbeit, wie das Aufnahme- Add-On und die Trello-Integration!

Aus <https://whereby.helpscoutdocs.com/article/328-about-whereby>

Whereby wurde 2013 unter anderem Namen in Oslo gegründet. Heute mehr als 10 Millionen Teilnehmer weltweit.

Vectera

Vectera: Gute Tonübertragung, gutes Bild, sehr einfache Handhabung. Scheint auch Jitsi als Basis zu haben.

Nur der Host muss sich registrieren, alle anderen können über den Link im Browser teilnehmen.
Besonderheit: Whiteboard steht zur Verfügung, auf dem alle schreiben und zeichnen können. Die Aufzeichnungen bleiben auch nach dem Meeting bestehen, so dass beim erneuten Eintreten in den gleichen Meeting-Raum dort weitergearbeitet werden kann, wo man aufgehört hat. Man kann beliebig viele Räume anlegen.
Screen-Sharing, Chat, Recording lokal und in der Cloud möglich.

Maximal 6 Teilnehmer, wenn Video und Audio genutzt wird. (Nur Audio viel mehr.) Peer to Peer-Verbindungen, also ohne Server. Je Teilnehmer 1 Mbit/s für Download und für Upload-Geschwindigkeit rechnen, also bei 2 Tln 2 Mbit/s, bei 3 Tln 3Mbit/s bei jedem Teilnehmer (Daumenwert).

Vectera ist eine Deutsch-Holländische Firma.
Datenschutz sieht ganz gut aus: https://www.vectera.com/terms/

Tarif:
Bis 1. Juni 2020 kostenlos, danach € 7,99 / Monat / Gastgeber (jährlich abgerechnet)

  • Unbegrenzte Online-Besprechungsräume
  • Unbegrenzte lokale Aufnahmen
  • 2 GB Cloud-Speicherplatz pro Meeting-Host für freigegebene Dateien und Aufzeichnungen
Whiteboard von Vectera

WebRTC

Jitsi nutzt den neuen Standard WebRTC, der den direkten Video-Verkehr zwischen Browsern erlaubt. Bei zwei Teilnehmenden werden die Video- und Audio-Daten also direkt zwischen den beiden Browsern hin und her gesandt. Einen Server braucht man nur um die Verbindung herzustellen, nicht für die Verarbeitung der Video-Daten. Jitsi sendet die Video-Daten verschlüsselt. Ein “Mithören” ist damit nicht möglich.

Damit muss aber der Browser beide Video-und Audio-Streams verarbeiten. Das können nur neuere Browser. Gleichzeitig steigt die erforderliche Bandbreite der Internet-Übertragung mit jedem Teilnehmer. Etwa 1 Mbit/s je Teilnehmer für den Down- wie für den Upload kann man ansetzen, sagt Vectera. Bei 5 Teilnehmenden sind das schon 5 Mbit/s in beide Richtungen, und der Browser muss die 5 Streams gleichzeitig verarbeiten können, was den PC deutlich mehr fordert.

Bei üblichen Video-Konferenz-Systemen werden die Video- und Audio-Streams in einem zentralen Server zu einem zusammengesetzt, der dann wieder an alle Teilnehmer verteilt wird. Die große Rechenarbeit muss dort beim Server und nicht im Endgerät stattfinden.

Fazit:

Jitsi ist die bessere Alternative beim Klang und beim Datenschutz. Jitsi benötigt aber bei mehr als zwei Teilnehmenden bei allen Teilnehmenden leistungsfähige Endgeräte, gute Internetverbindungen und aktuelle Browser. (Mit dem aktuellen Chrome-Browser geht es immer.)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.