Mikrofone für Videokonferenzen

Die Bedingungen für eine gute Audio-Übertragung bei Video-Konferenzen habe ich in diesem Blogpost schon geschrieben. Ein wichtiges Glied in der Audio-Produktionskette ist das verwendete Mikrofon. Deshalb hier ein paar Hörproben mit einigen Headset- und Tisch-Mikrofenen.

Alle Aufnahmen sind am gleichen Platz entstanden. Headset-Mikrofone mit 5 cm Abstand seitlich zum Mund, und Tischmikrofone auf dem Tisch mit 30 cm Abstand vor dem Mund.
Um die Pegelunterschiede auszugleichen wurden die Aufnahmen mit Ultraschall normalisiert, und sonst nicht bearbeitet.

Für den Vergleich empfehle ich einen Kopfhörer.

Referenz: Beyerdynamic DT297

Das Headset-Mikrofon des Beyerdynamic DT297 braucht Phantomspeisung und ein separates Audio-Interface für den XLR-Anschluß. Kosten: etwa 300 € mit Anschlusskabel.

Dieses Mikrofon soll auch unsere Referenz in dem kleinen Vergleich sein.


Nackenbügel-Mikrofon t.bone HC95

Erfordet ebenfalls ein Audio-Interface. Kostet aber nur etwa 40 €.


Tischmikrofon Rode NT 5

Erfordet auch ein Audio-Interface mit Phantomspeisung. Kostet etwa 180 €.


Tischmikrofon Behringer XM8500

Ist hier das einzige dynamische Mikrofon (keine Phantomspeisung), braucht aber auch ein Audio-Interface. Kostet etwa 20 €.


Tischmikrofon Rode NT USB Mini

Das ist ein USB-Mikrofon, dass das Audiointerface gleich integriert hat. An diesem Audio-Interface lässt sich auch ein Kopfhörer anschließen. Kostet etwa 120 €.


Tischmikrofon Samson Go

Auch das ist ein USB-Mikrofon, dass das Audiointerface gleich integriert hat. Dort kann man auch gleich einen Kopfhörer anschließen. Kostet aber nur etwa 40 €. Die Übertragungsqualität ist wirklich gut, nur ein leichtes Rauschen ist die Folge des sehr günstigen Preises.


Tischmikrofon AKG C1000 S Normalausführung

Erfordet ein Audio-Interface mit Phantomspeisung. Sollte Phantomspeisung nicht zur Verfügung stehen, kann man die mit Batterien ersetzen, die ins Mikrofon eingesetzt werden können. Außerdem hat das Mikrofon zwei mitgelieferte Kapsel-Aufsätze zur Veränderung der Chrakteristik.
Kostet etwa 100 €.


Tischmikrofon AKG C1000 S mit Presence Boost Adapter

Erfordert ein Audio-Interface, siehe oben. Hier die Version mit dem auf die Kapsel aufgesteckten Presence Boost Adapter, der die Frequenzen zwischen 5 und 9 kHz um 5 dB anheben soll, für eine bessere Sprachverständlichkeit. Der Kapsel-Aufsatz wird mitgeliefert. Preis: siehe oben.


Tischmikrofon t.bone SC 440 USB

Das ist ein USB-Mikrofon mit einer Großmembran-Kondensator-Mikrofonkapsel. Eine Mikrofonspinne zum erschütterungsfreien Aufhängen wird mitgeliefert. Dafür gibt es keinen Kopfhörer-Anschluß. Kostet nur 49 €.


Headset-Mikrofon Jabra Evolve 75 über USB-Kabel

Jabra Headsets werden in Video-Konferenzen oft verwendet. Die Mikrofone sind aber streng auf Sprachverständlichkeit ausgerichtet, mit eingeschränktem Frequenzumfang und durch Algorithmen, die Störgeräusche ausblenden sollen. Das Jabra Evolve 75 Headset lässt sich in zwei Varianten nutzen: Als USB-Headset mit USB-Kabel-Verbindung – wie diese Hörprobe entstand – und als Bluetooth-Headset zum freien Bewegen im Raum (nächste Hörprobe). Kosten: unter 200 €.


Headset-Mikrofon Jabra Evolve 75 über Bluetooth verbunden

Das gleiche Headset, nur ohne Kabel, dafür durch Bluetooth verbunden über den mitgelieferten Jabra Link 370 USB-Adapter. Man hört an manchen Stellen deutliche Artefakte, die nur bei der Bluetooth-Variante entstehen.


Headset-Mikrofon Logitech H390

Das Mikrofon eines einfachen USB-Headsets H390 von Logitech für etwa 40 € hier zum Vergleich. Ein leichtes Netzbrummen deutet auf eine nicht so gut geschirmte Leitung hin.


Headset Sennheiser PC 36

Mit diesem Headset begannen meine Online-Meeting-Erfahrungen vor Jahren. Das USB-Heaset war leicht zu verbinden und funktionierte problemlos. Nur die gesendete Sprachqualität war nicht berauschend.


Mikrofon des Konferenz-Lautsprechers Jabra Speak 510 USB

So eine Mikrofon-Laustsprecher-Kombination auf dem Tisch ist eine sehr bequeme Lösung, auch wenn mehrere im Raum einfach mitsprechen können sollen. Das erfordert allerdings einigen technischen Aufwand, damit sich Lautsprecher und Mikrofon nicht gegenseitig beeinflussen. Und Störgeräusche sollen möglichst auch noch rausgefiltert werden. Das alles ist aber nicht sehr zuträglich für die Hörer auf der anderen Seite.


Headset Mikrofon V-Moda BoomPro über Audio-Interface Steinberg UR22

Auf dieses abnehmbare Headset-Mikrofon bin ich über einen Post von Ralf Stockmann gestoßen, der als Podcast-Experte auf der Suche nach guten Headsets für Video-Konferenzen war, und in der Gamer-Szene fündig wurde. Das V-Moda BoomPro ist aus seiner Sicht der “Gold-Standard” unter den Mikrofonen und kostet nur 32 €.

Es braucht aber einen Kopfhörer mit 3,5 mm Klinkenbuchse, die gleich als Halter für das 30 Gramm leichte Mikrofon einschließlich Schwanenhals und 2 m langem Kabel dient.

Dieses edel klingende Mikrofon zum Anstecken an Kopfhörer mit 3,5 mm Klinkenbuchse an der Hörmuschel kostet 32 €.


Headset Mikrofon V-Moda BoomPro direkt am PC (Thinkpad T460s)

Man kann das Audio-Intervace auch umgehen, und das Headset direkt am PC, Tablet oder Handy betreiben.

Der Unterschied zum externen Audio-Interface:

  • Man hört sich selbst nicht sprechen im Kopfhörer.
  • Es rauscht ein wenig. Aber das kann je nach PC oder Tablet unterschiedlich sein sein.
  • Und die Sprach-Qualität hängt jetzt hauptsächlich vom Analog-Digital-Wandler im jeweiligen Gerät ab, wie man hier im Unterschied zum Betrieb am externen Audio-Interface hören kann.

Headset Mikrofon V-Moda BoomPro direkt am PC (Thinkpad X1)

Weil der Klangunterschied ohne Audio-Interface so gravierend war, habe ich den gleichen Versuch mit dem etwa gleichalten Thinkpad X1 gemacht. Auch hier wurde das Headset direkt in die Headset-Buchse des Thinkpads gesteckt. Wie man hören kann, ist die dort eingebaute Soundkarte etwas besser, kommt aber nicht auch an die Qualität der externen Soundkarte im Audio-Interface Steinberg UR22 ran.


Headset Mikrofon des Beyerdynamic Custom Game

Das Beyerdynamic Headset “Custom Game” mit abnehmbarem Kabel liefert ja schon ein Mikrofon mit gleichem Aufbau wie beim BoomPro mit. Ein auffallender Unterschied sind die Blasgeräusche beim Atmen, und die Bewegungsgeräusche vom Kabel. Hier die Hörprobe wieder am externen Audio-Interface. Auch dieses Headset läßt sich direkt am PC oder Tablet über den 3,5 mm TRRS Stecker anschließen.

Das Beyerdynamic Headset Custom Game kostet derzeit 145 € (Dezember 2020). Ist aber wohl ein Abverkauf des Auslaufmodells.


Ansteck-Mikrofon des In-Ear-Headsets Battle Buds

Ja, das gibt es tatsächlich, ein Ansteck-Mikrofon für ein Ohrstöpsel-Headset. Optisch sind die Battle Buds von Turtle Beach gerade für Video-Konferenzen am wenigsten auffällig unter den hier getesteten Headsets. Der Klang ist erstaunlich gut, sieht man von dem hörbaren Rauschen ab. In üblichen Video-Meeting-Systemen wird das Rauschen keine Rolle spielen. Für 30 € erhält man hier ein sehr klein verpackbares Headset, dass man immer dabei haben kann.


Headset Mikrofon Kabel-Boom-Pro über Audio Interface Steinberg UR22

Dieses Headset-Mikrofon hat einen 2,5 mm Klinkenstecker für die Hörmuschel, wie ihn etliche Kopfhörer mit abnehmbareme Kabel haben. Der Aufbau ist ganz ähnlich dem V-Moda Boom Pro. Er ist bei Amazon für etwa 24 € zu bekommen. Der Hersteller ist nicht zu erkennen. die Sprachqualität ist ebenfalls ordentlich beim Betrieb über das Audio-Interface. Nur muss das Mikrfon sauber positioniert sein, sonst stören Blasgeräusche viel stärker als beim wertigeren V-Moda Boom Pro.


Headset Mikrofon Kabel-Boom-Pro direkt an der Headset-Buchse des PC

Das gleiche Mikrofon im gleichen Sprechabstand, nur über die Soundkarte meines PC, klingt erheblich anders. Auch ist jetzt ein leichtes Rauschen zu hören. Das bestärkt mich, doch immer das Audio-Interface zu benutzen. Das hat ja auch den Vorteil sich selber hören zu können, weil man nur dort das Mikrofon-Signal im Monitor-Modus dem Kopfhörer beimischen kann.


Fazit

Der Ton ist bei Video-Konferenzen wichtiger als das Bild. Es lohnt sich also, das zu sendende Audio-Signal in möglichst guter Qualität zu senden. Für gute Sendequalität braucht man gar nicht viel Geld ausgeben, wie man an den Mikrofon-Beispielen „Samson Go“ und „t.bone SC 440 USB“ oben sieht. Beides sind sehr günstige USB-Mikrofone, die am USB-Anschluss per plug and play funktionieren. Wer die sehr gute Qualität will, braucht ein Audio-Interface und ein Mikrofon dafür. Mein Favorit ist das günstige BoomPro an einem Kopfhörer mit abnehmbarem Kabel!

Und: Lass Dich nicht von Deinem Klangeindruck bei Video-Konferenzen beeindrucken. Du hörst ja nur die anderen, nicht Dich selber!



Ergänzung: Mikrofone und Mikrofon-Typen gut erklärt

Fürs Vestehen von Mikrofonen und Mikrofon-Typen gibt es einen wunderbaren Podcast in der SWR2-Mediathek, der hoffentlich noch lange nicht depubliziert wird.

9 Gedanken zu „Mikrofone für Videokonferenzen“

  1. Die dedizierten Mikros standen alle eigentlich zu weit weg. Da ist so viel Raum drinnen (besonders beim Behringer XM8500, einem dynamischen). Das ist natürlich gar nicht ideal, die sollten alle eher 5-10 cm (XM8500) bzw. 10-20 cm (die Kondensatoren) weg sein, und keinen vermutlich so steilen Winkel vom Mund weg haben. So klingen sie natürlich alle hallig und dünn im Vergleich zu den ganzen Headsets. Man kann die Mikros mit einem günstigen Arm oder Ständer problemlos nahe am Mund haben und tortzdem fast (oder wenn man will ganz) aus dem Bild haben.

    Sonst ein toller Vergleich!

    1. Ja, das stimmt, Markus. Ich habe die Mikrofone bewusst in etwa 30 cm Mund-Abstand aufgestellt, weil das die meisten in Video-Konferenzen so machen. Ich erlebe immer wieder Leute mit tollen Mikrofonen, aber mit ganz viel Raumklang. Deshalb meine Empfehlung für die meisten Video-Konferenz-Nutzer: Headset benutzen.

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