#MeinZiel22: Storytelling in der Lehre

Bild: Vorbildliche Video-Veröffentlichung unter CC-Lizenz von Julia Trinkert auf der hhu-Hompage.

Jun. Prof. Dr. Julia Trinkert, Heinrich Heine Universität Düsseldorf, hat ihre Semester-Vorlesung „Mittelalterliche Kunstproduktion im Ostseeraum“ mit dem erdachten Helden „Hendrick“ begleitet. Hendricks mittelalterliches Handwerker-Leben stellt sie in kurzen Scribble-Videos in jeder Vorlesung vor. Ihr ging es darum, die Geschichten für die Prüfung erinnerbar zu machen, um das sonst übliche Auswendiglernen für die Studierenden zu verringern.

Die Hendrick-Videos enden teilweise mit Fragen an die Studierenden. Die sollen dann entscheiden, wie die Geschichte – basierend auf dem bisherigen Wissen – weiter gehen müsste. Das sollte das Reflektieren der Lernenden anregen. Gleichzeitig gab es ihr die Gelegenheit mit den Studierenden ins Gespräch zu kommen, was bei der klassischen Vorlesung sonst kaum vorkommt. 

Interessant ist, das Julia Trinkert die Hendrick-Story auch von hinten begonnen hat: Was in der Prüfung drankommt, soll Hendrick vorher „durchleben“. (Das Planen der Story vom Ende her, hat der Film-Dramaturg Ron Kellermann ja auch beschrieben.)

Sie beschreibt auch eine interessante Erfahrung: Die Studenten fanden das gut – solange es prüfungsrelevant war. Ein weiterführendes Zusatzangebot (Epilog) wurde nicht angenommen.

Julia Trinkert beschreibt den Erstellungsaufwand als nicht größer als die Vorbereitung einer normalen Vorlesung. Ihr geht es auch darum, Aufmerksamkeit der Studierenden zu binden.

Sorge macht ihr, dass sie mit Hendrick einen nur männlichen Helden darstellt. Aber es gibt wohl keine weiblichen Handwerkerinnen im Mittelalter. Die Story ist wirklich erdacht: Hendrick ist ein fiktiver Charakter, den es in Wirklichkeit nie gab.

In diesem Podcast beschreibt Sie ihr Vorgehen mit Hendrik als mittelalterlichem Handwerker in ihrer Vorlesung.

Und hier hat Julia Trinkert ein Beispiel-Video mit Hendrik zur Verfügung gestellt:

Video: „Lehrjahre sind Wanderjahre. Mittelalterliche Kunstproduktion im Ostseeraum“ lizensiert unter der Creative Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz, HHU/Julia Trinkert. Alle Infos auf dieser Seite.

Fazit

Dieses erste (mir bekannte) Beispiel für das Begleiten einer Semester-Vorlesung mit einer Story, macht Mut Storytelling auch für andere Lern-Themen unterstützend einzusetzen. Das Beispiel von Julia Trinkert zeigt auch, dass die Story nicht den gesamten Lehr-Prozess ersetzen muss. Die 2-Minuten-Videos wirken wie ein roter Faden durch das ganze Semester. Auch die Absicht, das Auswendiglernen für die Prüfung über kleine gut erinnerbare Geschichten zu ersetzen, wirkt als toller Servie für die Lernenden.

Wenn der Erstellungsaufwand gar nicht höher ist, als für eine klassiche Vorlesung, dann gibt es ja eigentlich keinen Grund mehr, solche kleinen Stories nicht einzusetzen. Danke Julia Trinkert, für das schöne Beispiel!


Teilen meiner Erkenntnisse

Im Rahmen des CLC-Projekts #MeinZiel22 will ich regelmäßig Erkenntnisse meiner Lernreise in Richtung “Storytelling” in einzelnen Blogposts teilen. Vielleicht gelingt es am Ende diese Blogposts zu einer Geschichte zu verbinden. Alle meine Beiträge stehen unter der CC BY-Lizenz. Die können von jedem – auch in Teilen – verwendet werden, wenn der Name “KhPape” genannt wird.

Gleichzeitig will ich wissen, ob es gelingt, dafür hauptsächlich Podcasts als Quelle für mein Lernen zu verwenden. Überblick zu allen Stationen meiner bisherigen Lernreise.

3 Gedanken zu „#MeinZiel22: Storytelling in der Lehre“

  1. Ein Kurs, in dem meines Wissens auch relativ viel mit Storytelling gearbeitet wird, ist der Mathe-MOOC der Technischen Universität Graz:
    https://imoox.at/course/mathekompass22
    Hier dreht sich irgendwie alles um das Thema Pizza, d.h. die mathematischen Probleme werden in kleine Geschichten einer Pizzeria und eines Pizzabäckers verpackt.

    Ansonsten gibt es zum Thema Storytelling auch viele ältere Ansätze, z.B. das „story-centered curriculum“ von Roger C. Schank aus den 2000er-Jahren, siehe: https://elearnmag.acm.org/featured.cfm?aid=1266881 und http://www.socraticarts.com/docs/SCCwhitepaper.pdf

    Das narrative Format der „Anchored Instruction“ oder des „situierten Lernens“
    (https://en.wikipedia.org/wiki/Anchored_Instruction oder https://de.wikipedia.org/wiki/Situiertes_Lernen) stellen für mich eine gewisses Form des Storytelling dar. Diese Ideen sind allerdings auch schon viel älter und gehen auf die 1990er-Jahre zurück.

    In Magdeburg gab es mal den Informatik-Professor Graham Horton, der ebenso viele Grundlagen-Lehrveranstaltungen aus seinem Fachbereich in Geschichten verpackt hat. Meist war ein Raumschiff oder seine Crew in Gefahr und musste zur Lösung des Problems gewisse Algorithmen entwickeln, die dann eine Rettung ermöglichten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.