Implizites Wissen und die Notwendigkeit von selbstgesteuertem Lernen

Unter implizitem Wissen versteht man das Wissen, dass jemand hat, ohne es beschreiben zu können. Das ist sogar der größere Teil des Handlungs-Wissens der Menschen in Unternehmen. Wissen, dass man nicht beschreiben kann, lässt sich auch nicht “vermitteln”. Das muss sich jeder selbst erarbeiten.

Das nachfolgende Video zeigt sehr anschaulich, welche unterschiedlichen Bewegungen und Formen die Zunge beim Sprechen bildet. Wir alle sind Experten fürs Sprechen. Aber niemand von uns könnte anderen beschreiben, wie er die Zunge formen muss, um bestimmte Buchstaben zu sprechen. Dennoch haben wir das irgendwie gelernt – ganz von allein, schon als kleine Kinder.
Hier der Zwei-Minuten-Film vom Jens Frahm, Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie:

 

Für mich ist das ein eindrucksvolles Beispiel

  • für unsere große Fähigkeit auch sehr komplexe, nicht kognitiv erfassbare Vorgänge ganz allein zu erlernen
  • für die Unmöglichkeit solch implizites Wissen irgendwie zu vermitteln

Notwendiges implizites Wissen setzt also Selbstlernkompetenz voraus. Die aber haben wir alle bereits als Kinder ausgeprägt. Die meisten Weiterbildungen versuchen das ausdrückbare, explizite Wissen zu “vermitteln”. Da fehlt eigentlich immer der andere Teil des nicht ausdrückbaren impliziten Wissens. So erklärt sich auch die scheinbar nie aufhörende Klage des mangelnden Transfers an den Arbeitsplatz.

Mein Fazit:

Wir Menschen sind offenbar ganz gut ausgestattet mit Selbst-Lernfähigkeit! Die Vorstellung solche individuellen Lernprozesse von außen steuern zu können, funktioniert vermutlich schon bei dem kleinen Teil des expliziten Wissens nicht. Beim impliziten Wissen ist es gänzlich unmöglich. Beides voneinander zu trennen, führt auch nicht zu vernünftigen Ergebnissen. Ganzheitliches Lernen braucht individuelle Freiheit das neue Handeln selbst auszuprobieren, und alles dafür nötige explizite Wissen sich selbst zu holen, wenn es gebraucht wird.
Das macht das kleine Kind auch: Es braucht im Umfeld Menschen, die sprechen. Beim Zuhören holt es sich die Informationen zum Vergleichen – oder es fragt einfach.

 

 

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