Nach einem meiner Vorträge zu neuem Lernen stellte ein Zuhörer am Ende die Frage, ob Lernen denn immer Spaß machen müsse? Irgendwie wunderte mich die Frage, weil ich das gar nicht thematisiert hatte. Spaß am Lernen wird aber öfter als Abwehrargument angeführt, um das angeblich „seriöse“ klassisch arrangierte Lernen nicht in Frage stellen zu müssen. Also: Muss lernen Spaß machen?

Und wenn wir in Unternehmen von 95% informellem Lernen ausgehen, dann geschieht dieses Lernen auch nicht aus Spaß. Im Gegenteil, das ist oft anstrengend, ungewohnt Neues möglichst gleich perfekt zu erledigen. Frühestens hinterher stellt sich ein gutes Gefühl ein. Man ist auch ein wenig stolz darauf, die Herausforderung gemeistert zu haben – und wenn Kollegen und Führungskraft den persönlichen Erfolg registrieren, freut einen das in der Regel zusätzlich.
Lernen als Prozess der Entwicklung von Fähigkeiten, hat offensichtlich wenig mit Spaß zu tun. Das ist eher immer anstrengend. Spaß aber macht der Erfolg, also das erstmalige Erleben einer neuen eigenen Kompetenz. Und darüber freut man sich sogar umso mehr, je anstrengender der Prozess war. Mir scheint Lernen gut vergleichbar mit ehrgeizigem Fitness-Training: Der 2000m-Lauf ist eher quälend, erst hinterher stellt sich das gute Gefühl ein.
Das bedeutet aber nicht, dass Lernen immer quälend sein muss. Am besten ist es wohl, wenn man es gar nicht bemerkt. Das eigene Lernen wahrnehmen heißt ja, die Aufmerksamkeit aufs Lernen lenken. Aufmerksamkeit sollte besser auf den nächsten Schritt beim Erarbeiten der gerade anstehenden neuen Aufgabe konzentriert werden. Ums Lernen brauchen wir uns gar nicht kümmern, Lernen passiert von ganz allein. Aber den Erfolg – das Erleben neuer Kompetenz – sollten wir bewusst geniessen!
Und für Lern-Dienstleister passt dann die abgewandelte Überschrift des Guardian: „… helping our students learn without realising they are doing it“.
