Podcasts zum Lernen?

In meinem letzten Blogpost habe ich die Vorteile des Micro-Blogging (Twittern) fürs Lernen dargestellt. Dort führt das „öffentliche Schreiben“ zu mehr Reflexion über das Thema, das „Anderen-etwas-erklären“ zu mehr eigenem Verstehen und das interessierte Folgen selbst ausgesuchter Experten zu stetigem Erkenntnisgewinn. Bei Twitter und auf Blogs geschieht das überwiegend durch geschriebene Texte.

Bild: https://pixabay.com/de/

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Die natürlichere Form der Kommunikation ist das Hören und das Sprechen. Jeder kann müheloser sprechen als schreiben. Und auch das Zuhören ist so eingängig, dass man nebenbei auch anderes tun kann, z.B. Autofahren oder Bügeln. Wenn Text schon hilfreich zum Lernen ist, dann müsste es das gesprochen Wort doch erst recht sein. Zumal mit gesprochenem Wort auch gleich unterschwellig Bewertungen und Bedeutungen mitgeliefert werden: Betonung, Sprechgeschwindigkeit, Pausen, Sprech-Melodie – das alles überträgt zusätzliche Informationen, die dem geschriebenem Text fehlen. Das ist übrigens aus meiner Sicht ein gewichtiges Argument gegen professionelle Sprecher an Stelle der Original-Experten. Nur wer sich im Thema wirklich auskennt, transportiert diese Begleitinformationen unbewusst mit.

Das Bloggen übers gesprochene Wort nennt sich Podcasting. Seit etwa 2007 reden wir von Podcasts, die – ähnlich wie Blogs – im Internet von jedem angeboten und abonniert werden können. Inzwischen ist aber ein wesentlicher Verbreitungs-Ermöglicher hinzugekommen: Die vielen Smartphones (fast jeder hat heute eines) erlauben nun Podcasts überall anzuhören – und auch selbst zu produzieren. Jedes Smartphone ist ja heute auch ein hervorragendes Tonstudio. Auf den bisher nur üblichen Hör- oder Sendeplatz PC ist man jetzt nicht mehr fixiert.

Bild: Seografika https://pixabay.com/de/

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Trotzdem gibt es wesentlich mehr Blogs als Podcasts. Das scheint mit Gewohnheiten zu tun zu haben. Schreiben fällt zwar auch etlichen schwer, aber in Bildungsinstitutionen von Schule bis Hochschule wird uns das Schreiben antrainiert, weniger das Reden. Und Redebeiträge setzen durch Hörfunkangebote einen hohen Qualitäts-Standard, an den sich viele nicht herantrauen. Das ging übrigens den ersten Video-Produktionen genauso: Als nur das Fernsehen üblich war, orientierte man sich an diesem hohen Standard. Youtube beweist heute, dass auch deutlich geringere Video-Qualitätsansprüche gut dargestellten Inhalten keinen Abbruch tun. Das lässt hoffen auf die weitere Entwicklung neuer Podcasts, einfach produziert, aber authentisch und interessant.

Vieles spricht also für Podcasts zum Lernen. Akzeptanz und Verbreitung hängt aber immer von Angebot und Nachfrage ab. Wenn es keine nützlichen Angebote gibt, wird es keine Podcast-Hörer geben. Und wenn es nicht genügend Podcast-Hörer gibt, wird sich niemand die Mühe des Produzierens machen. Mutige und Neugierige auf beiden Seiten sind also gefragt. Anlässlich ihres zwanzigsten Podcasts – und auch noch am internationalen Podcast-Day – haben die Macher des Knowledge-on-air-Podcasts, Simon Dückert und Ulrich Schmidt, ihren Beitrag dem Podcasten selbst als Wissensmanagement-Tool gewidmet. Man kann das alles auch gut auf Lernen übersetzen. Eine sehr hörenswerte Episode.

Knowledge-on-air

P.S. Dieser hörenswerte Podcast dauert 50 Minuten. So lange interessant sprechen will gut geübt sein. Eigentlich sollte es auch so etwas wie Twitter bei den Podcasts geben, vielleicht mit maximal 140 Sekunden. Wer nur 140 Sekunden füllen muss, wird möglicherweise eher zum Podcast-Produzenten.

4 Gedanken zu „Podcasts zum Lernen?“

    1. Ja, deshalb denke ich, die Zukunft für Podcasts liegt bei der Kombination von kurzer Inhaltsbeschreibung mit verlinkten Stichworten zum Direkt-Hinspringen, so ähnlich, wie in dem Knowledge on Air Beispiel. Aber das macht auch viel Arbeit.

  1. Hat dies auf Good transfer rebloggt und kommentierte:
    Storytelling in podcasts ist eine spannende Form des Lernens, für den Zuhörer wie für den/die Sprecher. Zuhören ohne Ablenkung, Reflektieren des Gelernten, das Gute weitertragen und Erfahrungen wirken lassen. Für mich sind die Hörbeiträge von „Knowledge on Air“ immer wieder ganz besondere Erfahrungsgeschichten.

  2. Podcasts sind aus den von Dir genannten Gründen definitiv am kommen. In der ARD/ZDF-Online-Studie ist es das einzige Medium, dessen Nutzung sich im letzten Jahr verdoppelt hat (http://www.ard-zdf-onlinestudie.de/index.php?id=519). Und die Länge der Podcast hängt ja an den Produzenten. Es gibt durchaus auch Sendungen mit wenigen Minuten. Typischerweise gehen Podcasts aber eher in die Tiefe und haben Längen ab 30-45 Minuten (siehe z.B. Forschergeist Podcast zu digitaler Lehren mit 135 Minuten: http://forschergeist.de/podcast/fg022-hochschullehre-digital/)

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