Podcasts im Aufwind?

Subscribe 9 war der Kurztitel der schon 9. Podcaster-Konferenz am letzten Wochenende beim Bayerischen Rundfunk in München. 150 Teilnehmer konnten unter 56 Vorträgen und Workshops wählen. Naturgemäß stellten private Podcaster die Mehrzahl der Teilnehmenden. Auffällig waren etliche Vertreter von Unternehmen/Organisationen, die sich jetzt auch dem professionellen Podcasten verschrieben haben. Podcasts werden inzwischen bei Verlagen und Rundfunk-Sendern als zusätzliches Kommunikationsmedium mit eigenem Wert angesehen und eingesetzt.

Bild: KhPape CC BY

Meine Motivation für die Subscribe 9

Fürs Podcasten angesteckt hat mich Simon Dückert, der ja schon seit Jahren den Management 2.0 Podcast und gemeinsam mit Ulrich Schmidt den Podcast Knowledge on Air betreibt. Auf seine Anregung und mit seiner Hilfe entstand dann unser Corporate Learning Podcast der inzwischen schon 47 Episoden aufweist, die im Wesentlichen während des großen Corporate Learning 2025 MOOCathons entstanden sind. Mein Interesse an diesem für mich noch neuem Medium zum Lernen hat mich – ein wenig neugierig – auf die Subscribe 9 geführt. Außerdem wollte ich die drei Haupt-Enabler der deutschen Podcast-Szene, Ralf Stockmann (Ultraschall Podcast Erstellungstool), Tim Pritlove (Podlove Podcast Publisher) und Sebastian Reimers (Studio Link, professionelles Audio-over-IP) mal persönlich erleben. Meine Hochachtung ist noch gestiegen: Alle drei setzen seit Jahren enorm viel professionelle Energie in Software-Lösungen, die Podcasten besser und einfacher machen – und die sie noch immer kostenlos zur Verfügung stellen. Einen herzlichen Dank an die drei und an die dahinterstehenden Teams: Ihr habt das Podcasten für Jedermann überhaupt erst möglich gemacht!

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Meine Learnings bei der Subscribe 9

  • Wenn es immer mehr Organisationen gibt, die Podcasts als Medium einsetzen – und damit das Podcast-Angebot erweitern, wird das Podcast-Hören auch immer selbstverständlicher werden. Zunächst sind das Rundfunk-Sender (z.B. BR) und immer mehr Verlage (z.B. t3n).
  • Die Technik dazu hat heute fast jeder mit dem Smartphone in der Tasche. Auch die über 10 Millionen pro Jahr in Deutschland verkauften Kopfhörer deute ich als ein Zeichen für die steigende Audio-Nutzung mit Smartphones.
  • Die Erstellung von Podcasts wird mit den stetigen Updates der kostenlosen „Ultraschall“-Oberfläche für Reaper (60$ für private Nutzung) immer leichter und eleganter. Professionelles Aufnehmen und schneiden gelingt damit schon jetzt fast jedem.
  • Fern-Interviews übers Internet in bester Audio-Qualität sind dank „Studio Link“ auch ganz einfach möglich. Jetzt ist nur noch das Mikrofon des Angerufenen die Schwachstelle. Die schon in wenigen Wochen erscheinende Studio-Link-App soll die i.d.R. hochwertigen Mikrofone der Smartphones dafür direkt nutzen. Auch mehrere Interviewpartner lassen sich mit Studio Link gleichzeitig ins Gespräch holen. Und Ultraschall hat diese Remote-Zuschaltung über Studio Link schon integriert.
  • Immer mehr Podcaster versuchen von ihren Podcasts zu leben, also damit Geld zu verdienen. Geschäftsmodelle dafür sind noch im Versuchsstadium. Man traut aber der eigenen Podcast-Hörer-Community die finanzielle Belastung oder das Ertragen von Werbebotschaften zu. Auch das scheint mir ein Zeichen für eine gewisse Etablierung der Podcast-Nutzung in der Gesellschaft zu sein.
  • Podcasts sind nicht zweitverwertete Radio-Sendungen, so jedenfalls Florian Meyer-Hawranek vom Bayerischen Rundfunk in seinem Vortrag zu den 5 Learnings nach einem Jahr Podcast-Produktion beim BR. Dabei hat er sehr anschaulich die Unterschiede zu Radio-Sendungen dargestellt: Im Jugend-Radio sind Inhalte nur wenige Minuten lang, dann kommt Musik. Danach eine kurze Wiederholung des vorigen Beitrags – es könnte ja sein, dass sich jemand erst jetzt dazugeschaltet hat. Das alles ist bei Podcasts nicht notwendig. Keine Musik (oder höchstens 8 bis 12 Sekunden), und lange dauern darf es auch. Jeder kann ja unterbrechen, und später weiterhören, wenn es nötig ist. Außerdem transportieren Podcasts authentische Persönlichkeiten. Hörer bauen eine Beziehung zum Sprecher auf, der mit seinem Thema verbunden ist.
  • Die Community-Kommunikation ist schwierig bei Podcasts. Man hört die ja meist bei anderen Tätigkeiten, fast nie am Bildschirm. Likes oder Kommentare sind also kaum möglich. Da kommt das neue Tool Voctag genau zur richtigen Zeit, das Audio-Kommentare von Usern einsammelt.

Hier die Aufzeichnung des Vortrages von Florian Meyer-Hawranek, BR zu seinen 5 Learnings:

Voctag wird in diesem Vortrag von Robert Sirola erläutert:

Die Frage, warum Menschen anderen beim Denken zuhören, wurde in der Session von Nora Vespers, Rita Molzberger, Martin Rüttler und Moritz Klenk angesprochen und von Teilnehmern beantwortet. Diese Session ist selbst wie ein Podcast zu genießen: Man kann sich vom sprechenden Denken der Anderen gut zum Selber-Denken anregen lassen:

Auch Simon Dückert hat seine Eindrücke der Subscribe 9 in einem empfehlenswerten Blogpost zusammengefasst: Warum Audio der Text der mobilen Generation ist.

Mein Fazit:

Meine Lust aufs Podcasten ist gestiegen. Podcasts sind gut geeignet für die Wissensvermittlung, insbesondere wenn die Originale selbst und authentisch zu Wort kommen. Podcasts sind neben dem Radio die einzigen Medien, die man nebenbei „konsumieren“ kann, also beim Fahren, Laufen, Warten, Aufräumen, usw. Die Technik dafür hat fast jeder heute in der Tasche. Wenn jetzt immer mehr Verlage und Radios Podcasts anbieten (andere Organisationen werden nachziehen), dann wird Podcast hören bald so selbstverständlich sein wie heute noch das Zeitung lesen. Ich denke auch „Audio ist der Text der Mobilen Generation“, wie Luca Carraciolo von t3n in seinem Vortrag sagt:

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